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Interkulturelle Lehrwoche
in der Fachdidaktik SoWi mit
Gaststudierenden aus Costa Rica

Demokratiebildung in der Lehrkräfteausbildung
im Ländervergleich

Fünf Masterstudierende von der Universidad de Costa Rica (UCR), San José, waren zusammen mit ihrer Professorin Susanne Müller-Using vom 17. bis 24. Januar 2026 zu Gast in der Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen.

Die Studierenden bereicherten die Diskussion unter Lehramtsstudierenden in den regulären Didaktik-Veranstaltungen mit eigenen Vorträgen aus ihrem Abschlussprojekt. Themen waren u.a. Inklusion, Bildungsangebote für ältere Menschen, Bildung in Jugendgefängnissen. Letztere beide Themen passten inhaltlich zum BFP-Modul im Lehramts-Bachelor, das für Studierende den Blick über den schulischen Tellerrand in vielfältige außerschulische politische Bildungsangebote weitet. Alle Studierenden verfügen bereits über Schulpraxis, so dass auch im Begleitseminar zum Praxissemester in ko-konstruktiven Kleingruppen Erfahrungen ausgetauscht und anhand eines Videobeispiels aus dem LArS-Projekt gemeinsam Handlungsalternativen für die Kernpraktik „Diskussionen anregen und leiten“ entwickelt werden konnten.


Susanne Müller-Using gab mit ihren beiden Vorträgen Einblicke in das Bildungssystem Costa Ricas, die bildungspolitischen Leitideen für die Schul- und Lehrkräftebildung und die Ziele des Philosophieunterrichts. Hier zeigen sich trotz Differenzen der finanziellen und gesellschaftlichen Bedeutung von Bildung im Ländervergleich klare Überschneidungen zu den normativen Zielen der politischen Bildung in Deutschland: kritische Urteilsfähigkeit, Perspektivübernahme und pro-soziales Handeln sind Kernbestandteile der Demokratie- und Menschenrechtsbildung in beiden Ländern.

Anhand ihrer Vergleichsstudie zu „Ethos und Empathie in der pädagogischen Professionalisierung“, die sie im Rahmen der IZfB-Vortragsreihe vorstellte, wurde die stärkere Berücksichtigung des sozialen Kontexts im costaricanischen Unterrichtshandeln thematisiert sowie die zentrale Ausrichtung auf den sozialen Zusammenhalt. Bürger*innen sollen durch Bildung „gute Menschen“ (becoming a good person) werden, und werden weniger als „Humankapital“ ausgebildet.

Dazu passt die Studienstruktur: alle Studierende müssen zuerst ein zweijähriges Studium Generale durchlaufen, bevor sie dann ein Bachelor-Fach wählen. Zudem müssen alle Studierenden 300 Stunden im Dienste der Gemeinschaft leisten, um ihren BA-Abschluss zu erhalten. Diese „Sozialstunden“ werden oftmals durch wissenschaftliche Projekte mit Dozierenden begleitet, so dass die gesellschatfliche Transferforderung in Costa Rica eine reale Bedeutung im Vergleich zu deutschen Universitäten erhält. Für die angehenden SoWi-Lehrkräfte und die Fachdidaktik der Sozialwissenschaften hat der interdisziplinäre Austausch viele neue Impulse gesetzt und war ein interkulturelles Highlight zum Ende des Wintersemesters. Das International Office der UDE ermöglichte mit zwei Exkursionen zu Zeche Zollverein und Kölner Dom inkl. Stadtführung, auch den kulturellen Austausch.

Gemeinsam neue Ideen entwickelt

Lehrkräfte-Fortbildung zu textsortenbasiertem Lernen

Auch wenn die Künstliche Intelligenz (KI) Texte zu einem vorgegebenen Lerninhalt generieren kann, bleibt die Schreibfähigkeit eine zentrale Voraussetzung für den Lernerfolg von Schüler*innen und ermöglicht Partizipation in einer Demokratie. Schreiben als Tätigkeit hilft, Lernprozesse zu strukturieren, Wissen aufzubauen und Fachkonzepte zu verstehen.

Sprach- und Schreibfähigkeiten beeinflussen auch das politische Lernen und es gibt erste empirische Erkenntnisse dazu, mit welchen unterrichtlichen Förderkonzepten die fachliche Literalität gestärkt werden kann.

Genau hierzu tauschten sich Teilnehmende in einem produktiven CIVES-Workshop zum Thema „Textsortenbasiertes Lernen im sozialwissenschaftlichen Unterricht“ am 3. Dezember 2025 an der Universität Duisburg-Essen aus.  

Dr. Claudia Forkarth präsentierte den aktuellen Stand der Forschung sowie konkrete Fördermöglichkeiten wie das Scaffolding, den textsortenbasierten Lehr-Lern-Zyklus und die genredidaktische Unterrichtsplanung. In zwei Arbeitsphasen wandten die teilnehmenden Lehrkräfte und ZfsL-Ausbilder*innen das neue Wissen direkt an. Sie entwickelten für die Textsorte Politisches Urteil konkrete Ideen für ihren eigenen Unterricht, wie bspw. einen Schreibplan, Kriterien-Checklisten, Formulierungshilfen oder das „Falt-Urteil“ für die gemeinsame Konstruktion eines neuen SuS-Texts.

Bei der abschließenden Diskussion und Reflexion betonten die Teilnehmenden den Bedarf und die positive Bedeutung solcher praktischen Impulse für einen sprachsensibleren Unterricht.

Frohe Weihnachten und
alles Gute für 2026

Zum Jahresende möchten wir uns herzlich bei Ihnen & Euch bedanken – für Interesse, Treue und viele positive Rückmeldungen zu unserer Arbeit.

Es gab in 2025 wunderbare Begegnungen, produktive Workshops und motivierende Momente des Zusammenhalts. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen und anhaltender Konflikte ist unser gemeinsames Engagement für Demokratieerhalt und politische Bildung wertvoller denn je. Lasst uns den Mut, die Kraft und den Humor behalten und zusammen weiter machen.

Wir wünschen Euch und Ihnen eine friedvolle Weihnachtszeit, ein paar erholsame freie Tage und einen motivierenden Start in das neue Jahr. Für 2026 alles erdenklich Gute, Gesundheit, und neue Energie.

Herzliche Weihnachtsgrüße & Glück auf
Ihr/ Euer CIVES-Team

PS: Wir sind ab dem 05.01.26 wieder für Euch da und erreichbar.

Außerschulische Lernorte
kennenlernen

Exkursion und Praxisgäste zeigen Möglichkeiten auf

Jedes Jahr erhalten Teilnehmende des Moduls „Berufsfeldpraktikum“ im Fach Wirtschaft-Politik/Sozialwissenschaften Einblicke in außerschulische Lehr-Lern-Settings.

Sylvia Taron vom Kinderforum Essen zu Gast im Seminar

Leitfragen sind: Wie gelingt aktivierende politische Bildung? Welche fachdidaktischen Prinzipien wirken wirklich? Und wie erzeugen wir demokratisches Interesse und Beteiligung – insbesondere in Zeiten zunehmender Demokratieskepsis, anhaltender Krisen und rasanter gesellschaftlicher Umbrüche?

Nicht nur in Schule findet Bildung statt und gerade im non-formalen Bildungsbereich, der von Freiwilligkeit lebt, werden kreative Ansätze sowie neue Methoden und Formate entwickelt und ausprobiert, die auch für den schulischen Fachunterricht Innovationsimpulse bieten, um eine vielfältige Schülerschaft erfolgreich zu adressieren.

Daniel Zimmer, Jugendhilfe Essen, und BFP-Studierende in einer Übung

Im Gespräch mit verschiedenen Praxisgästen lernen die angehenden Lehrkräfte andere Konzepte, Berufsbilder und potentielle Kooperationspartner*innen kennen. In der anschließenden Praxisphase ergründen die Lehramtsstudierenden einen außerschulischen Lernort dann näher (weitere Informationen zum Konzept des SoWi-BFP an der UDE hier).  

Im November und Dezember besuchten uns bereits Sylvia Taron (Kinderforum Essen) sowie Daniel Zimmer und Daniel Dimke (Bildungspartner*innen Jugend-Schule der Jugendhilfe Essen) im Seminar. Interessierte Studierende unternahmen außerdem mit der Dozentin Laura Möllers eine Exkursion zum Landtag NRW. Dieser ist nicht nur Demokratie-Ort, sondern auch hoch frequentierter Bildungsort, der sein didaktisches Bildungsprogramm in den letzten Jahren enorm erweitert hat. Auf den Austausch mit weiteren Expert*innen im Januar freuen wir uns schon jetzt!  

BFP-Studierende mit Schulausschuss-Vorsitzendem Florian Braun, MdL

Eine Teamschule der
Zukunft erleben

Masterstudierende lernen innovatives
Schulkonzept in Oberhausen kennen

Am 8. Dezember 2025 haben 6 Masterstudierende mit ihrer Dozentin (Sabine Manzel Nietiedt) die Gesamtschule an der Knappenstrasse in Oberhausen besucht.

Die Schule wurde in 2024 neu gegründet und zählt zu einem Prestige-Projekt der Stadt. Mit dem Neubau werden bauliche, schulpolitische und wirtschaftliche Modernisierungsziele verknüpft. Auch wenn das Gebäude erst in 2029/30 bezogen wird, ist am Interimsstandort schon jetzt der Geist des Neuen deutlich spürbar. Das Konzept der Teamschule durchdringt Lernkultur und Tagesablauf, Anrede und Sitzordnung: Keine Klassen, sondern Teams. Das „Du“ für alle, auch für Lehrkräfte. Flexible Xbricks in verschiedenen Lernräumen anstelle fester Sitzordnung. Leistungsdifferenzierte TaskCards, Lernchecks und individuelles Lern-Coaching fördern die Schüler*innen in ihrer persönlichen Entwicklung. Die Rolle der Lehrkraft ist die einer Lernbegleitung, die aktiv Feedback gibt. Zudem werden besondere Schwerpunkte auf Bewegung, selbstgesteuertes und kooperatives Lernen, Projektarbeit, digitale Lernformate und ein umfassendes Demokratiekonzept gelegt.

Treibende Kraft dahinter ist SoWi- & SV-Lehrer Tobias Garcia Ramos, UDE-Alumnus, der gemeinsam mit der Rektorin Dr. Petra Krüger-Hufmann verschiedene Formate für echte Schüler*innen-Beteiligung und aktivierende politische Bildung gestaltet.

Die Masterstudierenden erhielten durch die Exkursion neue Perspektiven und ermutigende Impulse für modernen Unterricht, der Erkenntnisse aus Lernforschung und Demokratiebildung in die schultäglichen Lernprozesse einbezieht. Diesen Weg begleitet der Lehrstuhl von Prof. Manzel Nietiedt im fachdidaktischen Austausch gerne weiter und dankt den Schüler*innen und Tobias Garcia Ramos für den gemeinsamen Tag.

Schülerin Nele aus der 6d hat den UDE-Besuch in einem eigenen Beitrag auf der Schulhomepage festgehalten. Danke Nele!

Souverän in kontroversen
Diskussionen

Lehrkräfte-Fortbildung bietet konkrete Impulse

Kontroverse Diskussionen kennzeichnen einen kompetenzorientierten Politik-/SoWi-Unterricht. Durch sie können Schüler*innen Multiperspektivität, Argumentationsfähigkeit und Urteilsvermögen erlernen und entwickeln. Gleichzeitig ist ein derartiges Unterrichtsarrangement sehr herausfordernd und kann misslingen.

Wie Lehrkräfte mehr Sicherheit in diesen Situationen erlangen und sog. critical incidents, also Kipppunkte in Lernprozessen, positiv beeinflussen können – darum ging es im kompakten CIVES-Workshop zum Thema „Der Beutelsbacher Konsens und die Grenzen der Meinungsfreiheit“ am 25.06.25 an der Universität Duisburg-Essen.

Nach einer theoretischen Einführung durch Prof. Dr. Sabine Manzel vertieften die teilnehmenden Lehrkräfte und ZfsL-Ausbilder*innen die inhaltlichen und methodischen Herausforderungen eines realen Fallbeispiels. In zwei Arbeitsphasen erarbeiteten und reflektierten die Teilnehmer*innen Handlungsmöglichkeiten und erhielten von der Referentin weitere fachdidaktische Impulse.

Wir danken dem Interdisziplinären Zentrum für Bildungsforschung (IZfB) herzlich für die Zurverfügungstellung Ihrer Räumlichkeiten!

Videobasierte Forschung
stärkt die Professionalisierung
in der Lehrkräftebildung

Sabine Manzel erläutert nachhaltige Effekte

Unterricht findet bekanntermaßen im geschützten Klassenzimmer statt. Aufzeichnungen von Fachunterricht zu Forschungs- und Ausbildungszwecken sind daher selten. Unterrichtsvideos für politisch bildende Schulfächer, die zudem frei zugänglich sind, existieren erst seit 2023.

Entwickelt wurden diese vom LArS.NRW-Projekt, über das wir an anderer Stelle berichteten.

Porträt-Fotos von Sabine Manzel und Frederik Heyen

Den Weg hierhin zeichnet Prof. Sabine Manzel mit Frederik Heyen in ihrem neuen Beitrag ↗️„Videografie in der politikdidaktischen Forschung und praxisorientierten Lehrkräftebildung in den Sozialwissenschaften“ nach. In komprimierter Form liefert sie einen Überblick über diese empirische Arbeit am UDE-Lehrstuhl seit 2011 und verdeutlicht die Erträge der Videografie, z.B.:

  • Grundlagenforschung: Wo bundesweit repräsentative Ergebnisse fehlen, liefern die videografierten Unterrichtsstunden essentielle Hinweise auf die Kernpraktiken alltäglichen SoWi-/Politikunterrichts. Ein wichtiges Fundament für weitere praxisbezogene Forschung.
  • Professionsentwicklung: Frei verfügbare Unterrichtsvideos können sowohl die Ausbildung von Lehramtsstudierenden als auch die Fortbildung von bereits tätigen Lehrkräften effektiv bereichern.
    • Ausbildung: Durch ihren unmittelbaren Einblick in das Unterrichtsgeschehen können sowohl fachliche Lernprozesse von Schüler*innen als auch das Handeln von Lehrkräften veranschaulicht werden. So kann der Wunsch vieler Lehramtsstudierender nach mehr Praxisnähe bereits im Studium erfüllt werden.
    • Fortbildung: Hier können empirische Befunde, z.B. anhand konkreter Fallbeispiele, mit den eigenen Unterrichtserfahrungen rückgekoppelt, theoretisch aufgearbeitet sowie gemeinsam didaktisch-methodische Lösungen für herausfordernde Situationen (weiter-)entwickelt werden, siehe bspw. unseren CIVES-Workshop.

Der Beitrag ist im Open-Access-Sammelband „Bildungsforschung und Bildungspraxis in der Metropole Ruhr. Schule und Lehrkräftebildung gemeinsam im regionalen Kontext entwickeln“ (Waxmann Verlag, S. 364-373) erschienen und wurde von Isabell von Ackeren, Kerstin Göbel & Christian Ropohl herausgegeben. Unterteilt in sechs Themenbereiche wie z.B. Schulentwicklung im Sozialraum, Mehrsprachigkeit, Digitale Medien, liefert das Buch einen multiperspektivischen und kurzweiligen Einblick in die dichte, dynamische und von Diversität geprägte Bildungslandschaft des Ruhrgebiets.

Das Lehramtsstudium evidenzbasiert weiterentwickeln

Neue Befunde zum SoWi-Professionswissen von Studierenden

An die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften werden hohe Ansprüche adressiert. Für den universitären Ausbildungsteil existieren mit Landesgesetzen sowie (Re-)Akkreditierungsverfahren von Lehramtsstudiengängen zentrale Qualitätsvorgaben. Gleichzeitig wird selten die Wirksamkeit einzelner Ausbildungsabschnitte und -elemente untersucht.

Der Lehrstuhl Didaktik der Sozialwissenschaften an der UDE widmet sich genau dieser Leerstelle. Standardmäßig werden zu Beginn des Masterstudiums das Professionswissen von Lehramtsstudierenden sowie deren Selbsteinschätzung des eigenen Wissensstands anhand eines kombinierten Verfahrens erhoben und ausgewertet. In ihrem Beitrag “Self-Assessments als Instrument zur Leistungsdiagnostik und evidenzbasierten Weiterentwicklung der Qualität im Lehramtsstudium der Sozialwissenschaften” in der Zeitschrift Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung (BzL), Bd. 42 Nr. 3 (2024) präsentieren Prof. Dr. Sabine Manzel, Frederik Heyen und Judith Niedecker Teilergebnisse ihrer Studie.

Den vollständigen Artikel mit Details zur spezifischen Stichprobe, theoretischem Hintergrund, der Testentwicklung, Ergebnisinterpretation und Forschungslimitationen können Sie hier lesen.

Lehrstuhl-Team beim
Tag der Bildungsforschung

Auszeichnung für Judith Niedecker

Am 18. Februar fand der Tag der Bildungsforschung 2025 statt, der alljährlich vom Interdisziplinären Zentrum für Bildungsforschung (IZfB) an der UDE ausgerichtet wird.

Rund 50 Wissenschaftler*innen präsentierten im Glaspavillon ihre Arbeit und neuen Projekte in zwei Postersessions. Das Team des Lehrstuhls Didaktik der Sozialwissenschaften war gleich dreifach vertreten:

(C) IZfB/UDE

Zum Rahmenthema „Wie gelingt Demokratiebildung in einer pluralen Gesellschaft?“ moderierte Prof. Dr. Sabine Manzel eine Podiumsdiskussion, bei der Prof. Dr. Isabell van Ackeren-Mindl und Dr. Tim Zosel (beide UDE) und Prof. Dr. Katrin Hahn-Laudenberg (Uni Münster) ihre Perspektiven einbrachten.

(C) IZfB/UDE

Mannheim is calling!

Unterwegs zur größten Tagung für Bildungsforschung

Ein Tagungsbericht von Judith Niedecker, neue wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Didaktik der Sozialwissenschaften von Prof. Dr. Sabine Manzel

Nur wenige Wochen nach meinem Start als Doktorandin stand meine erste Konferenzteilnahme an. Vom 27.- 29.01.2025 versammelte sich die Gesellschaft der empirischen Bildungsforschung (GEBF) zu ihrer 12. Jahrestagung an der Universität Mannheim. Über 1300 Teilnehmende aus der Bildungsforschung, den Fachdidaktiken und der Psychologie präsentierten und diskutierten bei 106 Symposien, 340 Einzelbeiträgen und 16 offenen Formaten. Das war überwältigend!

In diesem Jahr stand unter anderem die Verzahnung von Forschung und Praxis im Vordergrund. Zur Frage „Wie hältst du’s mit der Evidenz?“ (YouTube-Aufzeichnung) diskutierten zur Eröffnung Bob Blume („Bildungsinfluencer“ und Lehrer), Prof. Felicitas Thiel (Ständige Wissenschaftliche Komission der KMK) und Daniel Hager-Mann (Ministerialdirektor im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg). Sie machten unterschiedliche Vorschläge, wie die Forschungsarbeit für die Schulpraxis nachhaltig genutzt werden kann. Dieses Thema hat mich besonders interessiert, da ich letztes Jahr als Lehrerin im Schulunterricht gemerkt habe, wie schwer die Vernetzung von Schulpraxis und Forschung ist.

Spannend fand ich neben den Keynotes die verschiedenen Fachvorträge inklusive anregender Diskussionen. Von ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung‘ über ‚Vertrauen Jugendlicher in die Wissenschaft‘ bis hin zur ‚Nutzung von Künstlicher Intelligenz für den Unterricht‘ war alles dabei. Dadurch konnte ich mir noch weitere Ideen und Inspirationen für meine Arbeit am Lehrstuhl einholen. Zum Beispiel, wie künstliche Intelligenz zur Unterstützung des Schreibens argumentativer Texte eingesetzt werden kann. Auch Sabine hielt einen Vortrag mit dem Titel „Diskurs und Konflikterleben im Politikunterricht“ und präsentierte erste Ergebnisse einer explorativen Pilotstudie zu agonaler Pluralität im Klassenzimmer und in der Freizeit. Das Pilotprojekt ist im Kontext der Forschungsinitiative „Agonale Pluralität – AgonPlur“ entstanden und ein Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl der Didaktik für Sozialwissenschaften.

Mein Fazit: eine wirklich bereichernde Erfahrung, die nicht nur meine Perspektive auf aktuelle Forschungsthemen erweitert, sondern auch die Herausforderungen und Chancen der Vernetzung von Forschung und Schulpraxis hervorgehoben hat. Ich freue mich schon auf die nächste Tagung!

Alles Gute für 2025

Das Superwahljahr 2024 geht zu Ende, leider dauern Kriege, Krisen und gesellschaftliche Polarisierung an. Wir wünschen allen engagierten Freundinnen und Freunden eine gesunde und friedliche Weihnachtspause mit Zeit für Muße und Gemütlichkeit.   

Möge die Jahreswende Gelegenheit zur Erholung bereithalten, um in 2025 antidemokratischen Bestrebungen mit politischer Bildungsarbeit wieder mutig und tatkräftig etwas entgegenzusetzen.

Wir danken Ihnen & Euch für Euer Interesse und Eure Treue und freuen uns auf neue gemeinsame Vorhaben und Projekte!

Herzliche Grüße von Eurem CIVES-Team

Studierende treffen
Essener Jugendpolitiker

Exkursionen und Expertengespräche bieten das fachdidaktische Potenzial für wirksames politisches Lernen (vgl. z.B. Detjen, 2007; Massing, 2014; Studtmann, 2020), sofern das Einzelerlebnis mit einem strukturellem Lernangebot im professionellen Unterricht verknüpft wird. Wie einflussreich Exkursionen und Begegnungen mit realen Mandatsträger*innen sein können, hat 2017 die wissenschaftliche Begleitstudie des Projekts „Jugend partizipiert“ der UDE-Forscher*innen Helmut Bremer, Tim Zosel und Laura Schlitt gezeigt.

Die beiden Makromethoden sind daher auch Inhalt des Seminars „Vorbereitung Berufsfeldpraktikum“ von Laura Möllers und werden hierin theoretisch betrachtet sowie praktisch erfahren.

Bei der Exkursion zum Landtag NRW am 28. November 2024 nutzten Lehramtsstudierende die Gelegenheit, das Parlament nicht nur als zentralen Demokratieort, sondern auch als außerschulischen Lernort zu erleben. Sie lernten die didaktischen Bildungsangebote des Landtags kennen und tauschten sich mit dem Essener Abgeordneten Frank Müller, MdL, SPD-Fraktion, zu diversen schul-, bildungs- und jugendpolitischen Themen aus. Müller ist u.a. Mitglied im Schul- und Jugendausschuss, Sprecher in der Enquete-Kommission I „Chancengleichheit in der Bildung“, Queerbeauftragter und in der Stadtgesellschaft Essen ehrenamtlich aktiv, u.a. als Vorstandsvorsitzender des Vereins für Kinder und Jugendarbeit Ruhrgebiet e. V. sowie als Vorstandsmitglied des Deutschen Kinderschutzbundes Essen e.  V.

Demokratiebildung stärken

Workshops zeigen Möglichkeiten für den Fachunterricht

Seit Herbst ist Prof. Dr. Sabine Manzel mit Workshops zur Demokratiebildung unterwegs. So fand Mitte Oktober die Tagung „Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe der Lehrer:innenbildung“ im Rahmen des Projekts ADiLA – Aktiv für Demokratiebildung im Lehramt an der Universität Trier statt. Teilnehmende Lehrkräfte loteten in einem Videotraining zu demokratiefeindlichen Schüler*innen-Äußerungen Handlungsoptionen für den professionellen Umgang mit kritischen Situationen aus.

© Universität Trier, ADiLA

Am 13. November tauschten sich Teilnehmende des CIVES-SoWi-Netzwerks an der Universität Duisburg-Essen zum übergeordneten Thema „Das Klassenzimmer als Austragungsort aktueller Konflikte in pluralen Gesellschaften?“ aus. Im Rahmen des fachdidaktischen Fortbildungsangebots wurden erste Daten einer Schüler*innenbefragung zu Konflikten im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof präsentiert. In Workshopphasen wurden diese Erkenntnisse anhand von Fallbeispielen vertieft, emotionale Triggerpunkte und diskursive Herausforderungen im Fachunterricht konkretisiert und fachdidaktische sowie pädagogische Antworten diskutiert.  

Prof. Manzel begegnet mit ihren Workshops dem Wunsch von Lehrkräften nach mehr Sicherheit im professionellen Umgang mit Konflikten und tiefgreifendem Dissens: Wie sollen sie sich in Unterrichtssituationen verhalten, in denen sich Schüler*innenpopulistisch oder gar menschenverachtend äußern und die Grenzen der Toleranz, des demokratischen Wertekanons und universelle Menschenrechte überschreiten? Wo liegen die Grenzen der Kontroversität?

Zu diesen Fragen gibt es Angebote, die sich aus wissenschaftlichen Forschungsprojekten für die Praxis nutzen lassen. So eignen sich beispielsweise Videotrainings auf Basis authentischer Unterrichtsaufnahmen, um Lehrkräfte auf Konflikte in Diskussionen im Klassenzimmer vorzubereiten. In der gemeinsamen Reflexion kritischer Situationen, in denen Schüler*innen durch ihre Äußerungen die gemeinsame demokratische Wertebasis verlassen, können Unsicherheiten gegenüber der ‚richtigen‘ Lesart des Beutelsbacher Konsens abgebaut werden (mehr zu den Animationsvideos aus dem LArS-Forschungsprojekt hier).

Schüler*innentexte beurteilen und Schreibkompetenz fördern

Neuer Sammelband erschienen mit Beiträgen aus pädagogischer Psychologie, Fach- und Schreibdidaktik

© Waxmann

„Texte schreiben kann ja auch die KI!“ – Dennoch: Schreibfähigkeiten bleiben zentrale Voraussetzung für den Lernerfolg von Schüler*innen und ihre Partizipationsmöglichkeiten. Dabei ist das Schreiben als solches immer auch Teil einer fachlichen Auseinandersetzung um nicht zuletzt Lernprozesse zu strukturieren, Wissen zu generieren oder Fachkonzepte zu verstehen.

Im neu erschienenen Sammelband „Texte schreiben in allen Unterrichtsfächern – Textbeurteilung als Grundlage für Schreibförderung und Leistungsbewertung“ schaffen die Herausgeber*innen Inger Petersen, Raja Reble und Jörg Kilian einen Raum für unterschiedliche Perspektiven auf die Textbeurteilung und wie diese im Kontext von Diagnostik und Förderung weitergehend Verwendung finden kann. 

Der Beitrag von Dr. Claudia Forkarth und Prof. Dr. Sabine Manzel setzt sich aus politikdidaktischer Perspektive mit Schreibkompetenzen zu politischen Urteilen im sozialwissenschaftlichen Fachunterricht auseinander und diskutiert, wie sich ein empirisches Messeinstrument aus einem Forschungsprojekt (SchriFT II) als Diagnoseinstrument für die schulische Praxis nutzbar machen lässt.

Der Sammelband ist im Waxmann Verlag erschienen.